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Historie der GVT

Erste Aktivitäten im Nachkriegsdeutschland

Im Juli 1951 formulierte der Obmann des VDI-Fachausschusses Verfahrenstechnik Dr.-Ing. Kurt Rieß, Direktor der damaligen Farbenfabriken Bayer, einen, man würde heute sagen – Statusbericht – zum Stand der Forschung auf dem Gebiet der Verfahrenstechnik in Deutschland und stellte dringenden Handlungsbedarf fest.

Er schlug vor, eine Interessengemeinschaft solcher Firmen zusammenzubringen, die sich an der Lösung verfahrenstechnischer Probleme im Rahmen einer Gemeinschaftsforschung beteiligen wollten. Die Firmen sollten die sie interessierenden Probleme benennen und selbst entscheiden, ob und in welcher Höhe sie sich finanziell an entsprechenden Forschungsprojekten beteiligen wollen. Die daraufhin an etwas mehr als 200 Firmen versendete Anfrage fand überwältigende Resonanz. Bereits im November 1951 lagen 163 Interessenbekundungen vor, in denen etwa 70 Forschungsprobleme benannt wurden.

Gründung der GVT

Das war der Startschuss zur Gründung der GVT, Forschungs-Gesellschaft Verfahrens-Technik e.V., die am 10. Januar 1952 im Bayerwerk Leverkusen vollzogen wurde. Nur zwei Wochen später trafen sich etwa 340 Vertreter von mehr als 200 Firmen in Köln, um u.a. Fragen des Gemeinschaftsinteresses, die vorliegenden Forschungsvorschläge und die Gründung eines Forschungsinstitutes zu diskutieren. Am 1. April 1952 wurde den Firmen eine Liste mit etwa 100 Forschungsfragestellungen vorgelegt, teilweise bereits mit Angaben zu Geld- und Zeitbedarf sowie möglichen Forschungseinrichtungen. Mit der ersten GVT-Mitgliederversammlung am 31. Juli 1952 war die Grundsteinlegung für das GVT-Institut für Verfahrenstechnik an der RWTH Aachen verknüpft. Gemeinschaftsforschung war und ist der Leitgedanke der GVT, also unter sparsamem Einsatz der Mittel Probleme gemeinsam zu lösen, die von den Firmen als vordringlich angesehen werden. Zur Vermeidung von Konkurrenzproblemen müssen entsprechende Forschungsprojekte natürlich vorwettbewerblichen Charakter besitzen. Ein Beispiel für ein derartiges Projekt war die Fertigstellung des VDI-Wärmeatlasses.

Gründung der AiF

Am Jahresanfang 1954 fanden auf Einladung des Bundesministers für Wirtschaft in Bonn Gespräche über die Förderung industrienaher Forschung statt, die zur Gründung der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen e.V. (AiF) am 22. Juni 1954 in Königstein/Ts. führten. Die GVT gehörte zu den acht Gründungsmitgliedern. Damit wurde die industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF) auf ein tragfähiges, über den Haushalt des BMWi finanziertes Fundament gestellt. Die dafür vom BMWi über die AiF bereitgestellten Mittel beliefen sich im Jahre 1954 auf 1 Mio. DM, stiegen 1955 auf 5 Mio. DM und betragen im Jahr 2019 169 Mio. Euro.

 unterschriften

Acht Unterschriften besiegeln die Gründung der AiF: Forschungsgesellschaft Blechverarbeitung e.V., Dr. Hans Cramer, Forschungsgesellschaft Verfahrenstechnik e.V., Dr. Horst Mießner, Deutsche Gesellschaft für Forschung im graphischen Gewerbe e.V., Wilhelm Lampl, Forschungskreis der Ernährungsindustrie e.V., Hans Bernhard Ziese, Kuratorium des Instituts für Gießereitechnik, Karl Roesch, Prüf- und Forschungsinstitut für Ziegeleierzeugnisse e.V., Dr. Karl Kiwit, Forschungskuratorium Gesamttextil e.V., Dr. Hermann Rathert, Gesellschaft für Übermikroskopie e.V., Bodo von Borries

Verlagerung der Fördermittelgeber

In den Jahren 2004 bzw. 2014 feierte die AiF ihren 50ten bzw. 60ten Geburtstag. Im Zuge der Entwicklung verlagerte sich die fast ausschließliche Industriefinanzierung von IGF-Projekten auf die fast ausschließliche BMWi-Finanzierung. Allerdings sind für Förderentscheidungen heute sogenannte „vorhabenbezogene Aufwendungen der Wirtschaft (vAW)“, also Beteiligungen der Firmen wesentlich, schon um das Interesse der Unternehmen zu belegen. Entsprechend den Förderrichtlinien des BMWi und der AiF sollen die Forschungsprojekte weitgehend der Lösung von Problemen kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) dienen, da diese in der Regel keine eigenen Forschungsabteilungen unterhalten können. Daher müssen den zu jedem Projekt zu bildenden projektbegleitenden Ausschüssen (PA) mindestens zur Hälfte KMU-Vertreter angehören.

Die GVT als Antragstellerin über die AiF an das BMWI

In der Hilfestellung bei der Formulierung, Beantragung, Durchführung, Abrechnung und Berichterstattung bei IGF-Forschungsprojekten liegt heute auch eine wesentliche Aufgabe der GVT. Dafür sind auf der Grundlage der GVT-Satzung Arbeitskreise, der Forschungsbeirat und die Geschäftsstelle eingerichtet, über deren Aktivitäten die jährlichen Tätigkeitsberichte Auskunft geben.